Woche vom Bericht  

2

3.1.
bis
10.1.
2010

Winter-Chaos auf Rügens Straßen . . .
  da kommen einem die Erinnerungen an den Schneewinter 1978 ⁄ 79 wieder hoch. Doch ganz so schlimm ist es nicht - noch nicht. Wer weis, was uns in diesem Winter noch so alles erwartet. Das gesamte Ausmaß der Schneeverwehungen kann ich von hier aus auch nicht beurteilen. Da die Straßen teilweise( fast alle Nebenstraßen ) dicht sind, bin ich auch nicht umher gefahren. Mir hat schon die Rückreise am Sonnabend Nachmittag ⁄ Nacht aus Berlin gereicht. Nach einem Besuch des Ortsgruppenabend der Kakteenfreunde Rostock hatte ich noch in Berlin zu tun. Also hieß, es in der Nacht dort hin zu fahren. In Berlin fing es dann an mit schneien. Alles kein Problem. Nach erledigter Arbeit bin ich dann am Sonnabend Nachmittag von Berlin im schönsten Schneetreiben abgefahren. Die Straßen waren mit Schneemehl bedeckt. Es fuhr sich aber gut und sicher. Dann kam die Autobahn Berliner Ring in Richtung A 19. Es war mäßiger Verkehr und man konnte trotz Scheefall noch ca. 100 kmh fahren. Ab und an sah man einen Räumdienst. Später machten ich das Radio an, um den täglichen Wetterbericht um 16:30 Uhr von Radio M ⁄ V zu hören. Man sagte, das der Schneefall im Norden noch nicht angekommen sei ! Wenn man aus dem Fenster sähe, käme nur selten eine Flocke vorbei. In meiner Situation hörte sich das wie ein Hohn an. Ich hatte dicken Flockenwirbel vor mir. Es wurde langsam dunkel und die leerere Autobahn sah gespenstig aus. Im Scheinwerferlicht flogen die weißen Punkte auf mich zu. Nach einer Stunde Fahrt wurde der Scheefall wirklich weniger. Dafür verstärkte sich der Wind. Ab jetzt wurde die Fahrt anstrengend und unberechenbar. Langsam bildeten sich erste Wehen, die sich von rechts kommend, die Straße eroberten. Als bald verliefen sie über die gesamte Fahrbahnbreite. Die Geschwindigkeit mußte stark gedrosselt werden, um nicht ins Schleudern zu geraten. Dann war die Straße wieder frei. Kann ich wieder schneller ? Ich will ja heute noch ankommen und ein ängstlicher Autofahrer bin ich auch nicht ! Doch der Schein trügt. Kaum hatte ich die Geschwindigkeit erhöht, erschien im Scheinwerferlicht der nächste weiße Belag. Und der war länger, dicker und höher als alle anderen zuvor. Und prompt hatte es auch zwei Autofahrer an dieser Stelle erwischt. Durch Schleudern sind sie seitlich aneinander gekommen und haben sich über den Seitenstreifen hinaus katapultiert. Blechschaden ! Nichts schlimmeres. Wir erreichten die A 20. Jetzt ging es parallel zur Küste in Richtung Osten. Dem Sturm entgegen. Die Schneewehen kamen nun von links. Man konnte sich daran gewöhnen. In Höhe Greifswald bog ich dann auf meinen "Rügenzubringer" ein. Das ist eine autobahnähnliche Straße ohne breiteren Seitenstreifen. Heimat ich komme ! Es war nicht mehr weit. Bis Stralsund vielleicht 30 km. Doch dieser Weg war wie ein Marsch durch die weiße Hölle. Der Nordoststurm kam wieder von rechts vorne. Doch was war das ? Mindestens zwei Meter hohe Wände walzten sich auf die Straße. Es war kaum noch die linke Fahrspur zu benutzen. Jetzt bloß nicht schwach werden und Angst bekommen ! Es holperte und rumpste unter mir - aber es fuhr noch ! Wohin ? Ich sah nichts mehr. Das stiepen der Schneewehen war so dicht, das selbst die Nebelscheinwerfer nichts halfen. 20 - 30 Meter Blindflug, danach wieder schemenhaft die Straße zu erkennen. Hoffentlich ist nicht zuvor einer "Stecken geblieben", waren meine Gedanken. Meine Frau neben mir hatte schon seit einer halben Stunde nichts mehr gesagt. Sicherlich war die Bläße in ihrem Gesicht nur das Abbild des reflektierten Scheinwerferlichtes. Oh lieber G... , nein, ich bin nicht gläubig, aber lass uns trotzdem ankommen. Wir erreichten den Rügendamm. Endlich, gleich, noch eine halbe Stunde, dann sind wir zu Hause und können alles vergessen. Die B 96 auf Rügen war erstaunlich gut befahrbar. Nur selten waren Wehen quer über der Straße. Ich erreichte die Inselhauptstadt Bergen. Da ich etwas außerhalb wohne, mußte ich noch ein kleines Stück weiter fahren. Ich bog um die Ecke und - und es ging nichts mehr. Es war halb Acht. Vor mir erschien eine weiße Hügellandschaft. Weit darin erkannte ich zwei rote Lichter. Entstation. Das Fahrzeug hatte sich hoffnungslos fest gefahren. Ich parkte mein Auto am Rand. Danach zogen wir uns alles an, was wir hatten. Ab jetzt waren es noch 5 km, die es galt, zu Fuß zurück zu legen. Nach einem beschwerlichen Marsch über das Feld ( die mit Bäumen gesäumte Straße war uns zu gefährlich, wir hatten schließlich Sturm in Orkanstärke und wollten keinen Ast oder größeres auf den Kopf bekommen ) kamen wir zu Hause an. Dort war alles in Ordnung. Den Tieren und Kakteen ging es gut. Am nächsten Tag haben wir das Auto geholt. Zum Glück haben wir in unserer Gegend noch private "Großbauern" mit Technik auf dem Hof. Diesen Leuten sei hier herzlichen Dank für ihre Hilfsbereitschaft gesagt. Einige Bilder von unserem Erlebnis finden Sie in meiner kleinen Winter - Galerie .

Die Endstation weiße Hölle
und was in der nächsten Woche passiert gibt es wie immer im nächsten Wochenbericht in einer Woche hier zu lesen …


  Ihr Gerd Weiß
~Der RÜGENKAKTUS~



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©: Gerd Weiß ,
erschienen 2010
( So.)
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